04/2025

Werkstattprofis

Der Qualität verpflichtet

Text: Hartmut Malguth, Fotos: Henriette Malguth

Manchmal verdienen sich auch Planer eines Gewerbegebiets ein kleines Extralob: Wir besuchen ein Beispiel für gut durchdachte und optisch ansprechende Firmenansiedlungen in Moritzburg am Rande der Metropole Dresdens und sind verabredet mit Britt und Uwe Maudrich, dem Inhaberpaar eines autoPRO Kfz-Meisterbetriebs. Im Ortsteil Boxdorf ist in den vergangenen Jahren ein Industriegebiet entstanden und macht einen sehr gepflegten Eindruck.

Wie haben Sie sich denn kennengelernt?
Britt: In einem Autohaus.

Also ganz standesgemäß.
Wer war Käufer, wer Verkäufer?
Britt: Wir haben beide dort gearbeitet.
Uwe: Als hier in der Gegend nach der Wende eine Opel Vertragswerkstatt eröffnet wurde, habe ich mich dort beworben und bekam eine Anstellung, bevor ein Jahr später meine heutige Frau in der Schadenabteilung angefangen hat.
Britt: Kennengelernt haben wir uns, als Uwe aufgrund eines Unfallschadens zu mir ins Büro kam und ich den Fall zu bearbeiten hatte.    

So etwas nennt man Schicksal…
Britt: Das war 1992 mein allererster Arbeitstag in jener Firma, und er kam herein…
Es hat zwar nicht sofort zwischen uns gefunkt, aber letztlich blieb es ein einschneidendes Erlebnis mit Folgen.

Wann haben Sie Ihre Selbstständigkeit gegründet?
Uwe: 2006. Davor war ich als Werkstattleiter in dem besagten Autohaus tätig, aber die Geschäfte liefen schlecht.
So war ich dann auch von einer großen Entlassungswelle betroffen und stand vor der Frage, wie es weitergehen sollte. Meine Frau machte den Vorschlag, mich zumindest testhalber in einer Garage ihres Vaters selbstständig zu machen.
Britt: Wir hatten gerade privat gebaut, und für die Selbstständigkeit benötigte mein Mann einen Meistertitel, den er noch nicht hatte. Er hatte jedoch von seinem verstorbenen Opa ein kleines Erbe erhalten. So schlug ich ihm vor, dieses Geld nicht in das neue Haus, sondern in den Besuch der Meisterschule zu investieren.
Uwe: Sie hat mich dann einfach angemeldet!
Britt: Ich habe zunächst noch im Büro eines renommierten Supermarkts gearbeitet, bis wir 2008 den Entschluss fassten, diesen Betrieb zu bauen, weil die Garage einfach zu wenig Möglichkeiten bot. Die finanzielle Belastung war abenteuerlich, obwohl wir dieses Grundstück damals zu einem guten Preis erwerben konnten. Ein Firmenneubau mit immerhin drei Hebebühnen stellte uns aber dennoch vor große Herausforderungen.
Uwe: Wir waren anfangs froh über jeden neuen Kunden und haben mit einem kostenlosen Hol- und Bringservice sowie selbstgemalten Plakaten und Flugblättern auf uns aufmerksam gemacht.

Das autoPRO Team Maudrich, v.l.n.r.: Marcel Voigt, Sylvia Michaelis, Rico Arndt, Thomas Zeller, Meister René Kaiser und vorn: Britt und Uwe Maudrich.

Wann hat sich Ihre Situation stabilisiert?
Britt: Das hat gedauert. Damals hatten es freie Werkstätten sehr schwer. Wir bewegten uns im Zeitalter der Vertragswerkstätten. Freie Werkstätten kamen nur dann zum Zuge, wenn Instandsetzungsarbeiten billig sein mussten.
Uwe: Letztendlich wurden wir für unsere Geduld belohnt. Nach und nach ist unser Team dann gewachsen. Wir schlossen uns dem Werkstattkonzept Meisterhaft an und vergrößerten unser Leistungsspektrum und damit auch den Kundenstamm.

Wann erfolgte die Umbenennung in autoPRO?
Uwe: Das ging einher mit unserer Betriebsvergrößerung auf das heutige Erscheinungsbild mit den nunmehr fünf Rolltoren und Hebebühnen 2016, gleichzeitig unserem 10-jährigen Bestehen.
Britt: Wir waren immer sehr gern Meisterhaft. Das Konzept hat uns optisch und namentlich gut gefallen. Da unser Ersatzteilelieferant WM damals aus wettbewerbsrechtlichen Gründen dieses Konzept aufgeben musste, standen wir vor der Entscheidung: Entweder den Händler wechseln oder das Konzept. So entschieden wir uns für die Beibehaltung der Geschäftsbeziehung und wurden am 21. Januar 2016 zu autoPRO Maudrich.

Die Werkstatt wird 4x täglich mit Kfz-Teilen und -Zubehör beliefert.

Sie sind in einem großen Gewerbegebiet angesiedelt. Betreuen Sie demzufolge auch viele Firmen und deren Fuhrparks?
Britt: Die Firmenkunden sind unsere Kernkompetenz und repräsentieren heute das A und O. Aber wir legen großen Wert auf ein ausgeglichenes Verhältnis von Firmen- zu Privatkunden. In der Vergangenheit haben wir einige Male erlebt, dass aufgrund personeller Veränderungen in der Führungsetage bei Firmen auch die Loyalität zu uns aufgegeben wurde.
Damals waren wir froh über die Treue unserer Privatkunden. Heute können wir derartige Veränderungen verkraften und freuen uns über jeden Kunden.

Die mustergültig eingerichtete Werkstatt verfügt über die gesamte Bandbreite an Technik.

Wo sehen Sie Ihre technischen Schwerpunkte als freie Werkstatt?
Uwe: Wir sehen uns schon als Mehrmarkenwerkstatt mit dem Anspruch, jedem Kunden und jedem Fahrzeug gerecht zu werden. Unser Leistungsspektrum stellt sich dementsprechend dar: Von den klassischen Servicearbeiten wie Bremsen- und Klimacheck bis hin zu Getriebeölspülungen, Dieselpartikelfilter-Reinigung, Achsvermessung, die Justage moderner Assistenzsysteme und Autoglasservice bieten wir die komplette Palette an. Besonderes Augenmerk gilt hierbei der Fahrzeugelektrik und -elektronik.
Britt: Ich persönlich bin zwar technisch völlig unbedarft, aber ich muss für unser Team hier mal eine Lanze brechen: Was ich aufgrund der Kundenresonanz hier vorn am Tresen immer wieder höre, ist die Zufriedenheit unserer Kundschaft darüber, wie akribisch und mit welcher Leidenschaft die Jungs in der Werkstatt bei der Fehlersuche vorgehen. Da wird nicht eher locker gelassen, bis die Ursache analysiert, ermittelt und behoben ist. Dadurch entwickelt sich bei den Kunden ein unglaubliches Vertrauen in unsere Arbeit. Zudem möchte ich hervorheben, dass die perfekte Werkstattleitung durch unseren Meister René Kaiser wesentlich zu diesem Erfolg beiträgt. Am 07. Juni 2023 erhielt er den Silbernen Meisterbrief für seine 25 Jahre währende Tätigkeit in dieser Funktion.

KfZ-Mechatroniker Thomas Zeller bei der Lichteinstellung am Kundenfahrzeug.

Respekt – das hört man wirklich nicht oft. Wie sind Sie denn auf die E-Mobilität vorbereitet?
Uwe: Wir beschäftigen zwei Servicetechniker, die mittlerweile bis zur Stufe 3 darin ausgebildet sind. Die Nachfrage gestaltet sich aber derzeit noch sehr zurückhaltend.
Britt: Auch wenn ich technisch nicht den Sachverstand habe, den mein Mann und das Werkstattteam haben, fällt mir in der Auftragsannahme auf, dass die Kunden in zunehmendem Maße den Wunsch äußern, bei den Assistenzsystemen moderner Fahrzeuge auf Fehlersuche zu gehen. Das ist sicherlich eine große fachliche Kompetenz und die Leidenschaft unseres Teams, ursächliche Fehlfunktionen aufzuspüren.

Uwe Maudrich lässt sich den Spaß am Umgang mit der Technik gern anmerken.
Die ideale Herangehensweise wird erörtert und die Instandsetzung anschließend fachgerecht ausgeführt.

Reparieren Sie Wohnmobile?  
Uwe: Ja, allein die baulichen Voraussetzungen unserer Werkstatt ermöglichen es uns, dieses Klientel zu bedienen. Allerdings beschränken wir uns dabei auf Motor, Getriebe und Reifen. Wartungsarbeiten an den Aufbauten erledigen die Reisemobilvertretungen hier vor Ort sach- und fachgerecht.  

Profitieren Sie spürbar von Ihrem Standort im Drei-Länder-Eck Polen – Tschechien – Deutschland? Und wie macht sich das bei Ihrer Kundschaft bemerkbar?  
Uwe: Ja, wir begrüßen hier schon den einen oder anderen ausländischen Kunden, der aufgrund unserer Anbindung an die Autobahn mit technischen Problemen den Weg zu uns findet.

So – damit sind wir nun am Ende unseres Interviews angelangt und bedanken uns sowohl für Ihre persönlichen Anekdoten als auch für Ihre wertvolle Zeit, liebes Ehepaar Maudrich.

Gleichzeitig wünschen wir Ihnen weiterhin viel Spaß und Erfolg mit Ihrem Unternehmen.

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