04/2025

Wohndesign 2025

Messetrends von der Ambiente

Text: Hartmut Malguth, Fotos: Henriette Malguth

Jedes Jahr im Februar öffnet die Ambiente Frankfurt als führende und internationale Messe der Konsumgüterbranche ihre Tore. In den Segmenten Dining, Living, Giving und Working erweist sie sich als Trendsetter für den Bedarf des Handels und für den gewerblichen Endverwender. Die diesjährige Publikumsfrequenz weckt bei Besuchern und Ausstellern gleichermaßen die Lust auf ein spannendes Messejahr.

Trends

Wie beschreibt es Gastro-Experte Pierre Nierhaus im aktuellen Newsletter der Ambiente Frankfurt so treffend? Ob in Freizeit, Urlaub oder am Arbeitsplatz:

Kulinarik spielt eine zentrale Rolle in Gesellschaft und Wirtschaft. Sie spiegelt gleichermaßen Megatrends wie Nachhaltigkeit und Veränderungen der Ernährungsgewohnheiten mit vegetarischen und veganen Speisenangeboten. Essgewohnheiten werden zunehmend durch Social-Media-Plattformen wie Instagram oder TikTok geprägt. Speisen und Getränke avancieren zu »Superstars« und demonstrieren die Kreativität der Branche. Diese Tatsache macht sich die Konsumgütermesse Ambiente zu eigen, um diesem Themenumfeld eine passende Bühne zu geben. Das erklärt auch ihren zunehmenden Erfolg in Zeiten, wo sich althergebrachte Messekonzepte zunehmend abnutzen oder auflösen.

So vereinigt letztlich kein anderer Bereich die Rubriken »Dining – Living – Giving und Working« so universell wie die Gastronomie und unsere Ess- und Trinkgewohnheiten. Festlich gedeckte Tische, die Deko, die dazugehörige Möblierung, Accessoires rund um ein einladendes Buffet und die damit verbundenen Aufgaben und Tätigkeiten – für all das werden auf der Ambiente Lösungen und Trends aufgezeigt.

Somit erweist sich die Messe nicht nur für Fachpublikum als inspirierend, sondern im Grunde für alle, die Spaß und Geschmack an Dingen haben, die das Leben schöner und/oder einfacher machen.

Praktische Beispiele

Ob Zufall oder nicht – unsere erste Aufmerksamkeit schenken wir der Produktdemonstration von Heißluftfritteusen des britischen Herstellers Russell Hobbs. Zugegeben – diese Gattung von Küchengeräten rangiert bei uns nicht unbedingt auf Platz 1 im häuslichen Gebrauch. Zudem erweisen Sie sich oftmals als optisch wenig ansprechend, klobig, platzraubend und auch unpraktisch beim Reinigungsvorgang. Während der Produktdemonstration der Russell Hobbs Geräte auf dem Messestand gewinnen wir den Eindruck, dass unsere o.g. Vorbehalte gegen Fritteusen zumindest einer baldigen Revision unterzogen werden sollten.

Als ausgesprochen inspirierend erweist sich ein Abstecher auf den Messestand des dänischen Designers Jacob Jensen (29.04.1926 – 15.05.2015). Weltruhm erlangte er durch seine langjährige Tätigkeit für Bang & Olufsen, Volvo oder Citroen.

Mehr als 500 Produkte des täglichen Gebrauchs wie Telefone, Uhren, Haushaltsgeräte und Auto-Interieur tragen seine Handschrift. Etliche Designs sind in die ständige Sammlung des Museum of Modern Art, New York, oder ins Kunstindustriemuseum von Kopenhagen aufgenommen worden. Dass auch die Bewahrer seiner genialen Ideen den Puls an pragmatischen Dingen des Alltags haben, zeigt sich auf dem Messestand an einer Tatsache:

Vorgestellt werden u.a. so simple Produkte wie Rauchmelder – im Normalfall sinnvoll, aber im häuslichen Umfeld leider in eher unansehnlicher Form installiert. Hier schafft das Design von Jacob Jensen Abhilfe und präsentiert Rauchmelder in fünf Varianten – allesamt optisch ansprechend gestylt und aufs individuelle Interieur abgestimmt. Die Markteinführung ist für April 2025 geplant.

Sachlich, ohne Schnörkel, aber puristisch schön – wie es gelingt, Küchen mit Design aufzuwerten, zeigt sich auch anhand der von Jacob Jensen entworfenen Wasserkocher und Toaster.

 

Vielseitig und funktionell, jedoch nicht weniger schick – so präsentiert sich die Gesamtkollektion des nördlich von Koblenz beheimateten Keramikproduzenten ASA Selection. Auf unserem Messerundgang lassen wir uns über die neue Keramikserie »Rayu« informieren, die insbesondere durch ihre Farbenvielfalt besticht.

»Rayu« ist eine künstlerische Objektserie für Individualisten, die Werte zu schätzen wissen. Alle »Rayu« Teile werden einzeln von Hand bemalt. So verfügt jede Vase über eine eigenständige Note. Damit unterstreicht die dekorative Verarbeitung den handwerklichen Charakter, den schon die Formen der Vasen vermitteln.

Kunst und Pragmatismus

Dass Kunst und Medienaufgeschlossenheit sich nicht automatisch ausschließen, charakterisiert der Messestand des im Kanton Genf beheimateten Schreibgerätehersteller Caran d‘Ache. Hier herrscht im wahrsten Sinne des Wortes Hochbetrieb. Bei Künstlern und Designern genießt das Schweizer Unternehmen einen legendären Ruf, deren Maluntensilien als unverwechselbar gelten und auch in Sachen Qualität und Farbechtheit unverwechselbar sind. Nicht zuletzt gelangte der von Caran d‘Ache 1930 entworfene »Fixpencil« sogar zu besonderen Ehren, als die Schweizer Post das Schreibgerät auf einer 2,20-Franken-Marke verewigen ließ.  

 

Ausgesprochen sympathisch wirkt auf uns auch das Bestreben der Messeleitung, jungen Designern ein Podium zu bieten, um sich und ihre Produkte publikumswirksam zu präsentieren: Beispielhaft sei hier die polnische Designerin Gabriela Kawinska erwähnt, die funktionale Gegenstände wie Möbel, Interieur oder auch Kinderspielzeug aus Holz  entwirft.

Ihre Serie heißt »Pinocchio«. Der kleine orangefarbene Tisch ist als coffee table entworfen.


Dass auch in Zeiten elektronischer Zahlungsmittel ein hohes Interesse an Geldbörsen und Portemonnaies besteht, beweist der Erfolg von mittlerweile 15 Mio. verkaufter Exemplare des niederländischen Familienunternehmens Secrid. Die unglaubliche Vielfalt an Materialien, Farben und Mustern beweist, dass diese Tradition auch weiterhin ihre Existenzberechtigung hat und gleichzeitig Ausdruck individuellen Alltagsdesigns ist.

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